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Landespressekonferenz im Schweriner Schloss: Fünf Empfehlungen zur Verbesserung der Attraktivität des Lehrberufs

06.10.2026 13:30

Bei der Landespressekonferenz in Schwerin haben wir die Ergebnisse des Projektes Verbesserung der Attraktivität des Lehrberufs in Mecklenburg-Vorpommern vorgestellt (Präsentation hier downloaden) . 2.028 Lehrkräfte wurden zu ihren Arbeitsbedingungen und der Attraktivität ihres Berufes befragt. Im Zentrum standen offene und standardisierte Frageformate, mit denen Maßnahmen zur Entlastung und zur Verbesserung der Versorgung mit Lehrkräften bewertet wurden. Über 700 Lehrkräfte nutzen die Gelegenheit zudem für ausführliche Vorschläge.

Die Studie zeigt: Der Lehrkräftemangel ist kein vorübergehendes Phänomen, sondern ein flächendeckendes, strukturelles Problem, das die Arbeitsbedingungen und auch den Mangel weiter verschärft. 80 % der Lehrkräfte berichten von zusätzlichen Aufgaben; 92% von einer schlechteren Stimmung im Kollegium. Besonders stark trifft es Regionalschulen.

Die zentrale Maßnahme zur Lehrkräftegewinnung, der Seiteneinstieg, muss dagegen wesentlich konsequenter umgesetzt werden: 58% der Seiteneinsteiger*innen hatten keine systematische Einarbeitung, 38 % erhalten kein Mentoring – obwohl dieses nachweislich die Zufriedenheit und die Bleibequote erhöht. Maßnahmen wie Zulagen oder die digitale Landesschule werden nicht als wirksam empfunden, um mehr Unterrichtsstunden freizusetzen. Stattdessen setzen die Lehrkräfte auf Entlastung und dauerhafte strukturelle Veränderungen. So schätzen 85 % der Befragten Verwaltungs- und Dokumentationsaufgaben als stark belastend ein – 63% erwarten mehr als eine Stunde pro Woche Entlastung durch Abgabe an Verwaltungskräfte. 78%, die Erfahrung mit Multi-Professionellen Teams haben, empfinden diese als Entlastung.

In diese Richtung zeigen auch die konkreten Lösungsansätze der Lehrkräfte:

  • Abbau von Bürokratie und Verwaltungsaufwand – „Wir sind Lehrer, keine Bürokraten.“
  • Reduzierung der Pflichtstunden (22 - 25 Std.), Einhaltung der Arbeitszeitregelungen.
  • Bessere personelle Ausstattung, insbesondere mit Sonderpädagogen, Förderlehrkräften und Inklusionshilfen. – „Zwei Lehrkräfte in einer Klasse ist die einzige Möglichkeit, Inklusion wirklich umzusetzen.“
  • Entlastung durch kleinere Klassen und Anerkennung der Klassenleitungstätigkeit.
  • Einführung von Multi-Professionellen Teams (MPT) – „„Wir brauchen mehr Fachkräfte, nicht mehr Arbeit“
  • Digitale Unterstützung durch funktionierende Infrastruktur und qualifizierte IT-Unterstützung. – „Digitale Werkzeuge sind nützlich, aber nur wenn sie funktionieren“

Wissenschaftliche Empfehlungen für eine nachhaltige Bildungspolitik

Es scheint paradox: Um die Lehrkräfteversorgung langfristig zu stabilisieren, müssen Lehrkräfte entlastet werden. Denn nur unter gesundheitsförderlichen Bedingungen bleiben Lehrkräfte länger im Beruf – und verbessern die Bildung. Entlastung bedeutet nicht weniger Unterricht – sondern mehr Qualität, mehr Stabilität und mehr Unterrichtszeit.

Basierend auf den Daten und den direkten Rückmeldungen der Lehrkräfte formulieren das Forschungsteam fünf zentrale Empfehlungen für die Bildungspolitik in M-V:

  1. Strukturelle Entlastung: Reduzierung der Pflichtstunden, Abgabe von Verwaltungs- und IT-Aufgaben an Fachkräfte, Anrechnung von Klassenleitungen, Zeitausgleich für „unteilbare Aufgaben“ für Teilzeitkräfte
  2. Gelingender Seiteneinstieg und professionelle Unterstützung: Qualifizierung vor Unterrichten, systematische Einarbeitung und langfristiges Mentoring im Seiten-einstieg. Gezielte Unterstützung bei Inklusion u.a. durch Multi-Professionelle Teams
  3. Wertschätzende Schulkultur: Förderung psychologischer Sicherheit, kollegiale Fallberatung und wertschätzende Schulleitung und Schulkultur.
  4. Arbeitszeitmanagement: Verbindliche Arbeitszeiterfassung, Arbeitszeitgespräche, mit dem Ziel der Entlastung und Verbesserung des Umgangs mit Zeit in der Schule.
  5. Digitale Gerechtigkeit: Gleichwertige Ausstattung aller Schulen, Schulstrategien für die Entwicklung des digitalen Lehrens und Lernens, Ausbau digitaler Kompetenzen.

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